DVD zu HTPC Geschrieben von Thommy am 21.07.2003
Vorwort
Soll ich, oder soll ich nicht?
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Tag 1
Nun lasset Taten sehen
Als allererstes musste natürlich ein geeignetes Gehäuse her, was sich als nicht ganz unproblematisch herausstellte. Entweder waren alle käuflich zu erwerbenden Gehäuse ziemlich hässlich und nicht geeignet, um sie ins Wohnzimmer zu stellen, oder aber sie waren mir schlicht und einfach zu teuer. Also was tun? Die Lösung fand ich dann wieder einmal bei eBay: Ein alter Philips DVD-Player (DVD 722) für wenig Geld, da sollte alles reinpassen (so dachte ich jedenfalls). Da auch der Verstärker von Philips ist, passt das Design natürlich ganz hervorragend.
Als erstes also alles überflüssige raus aus dem Gerät - und das war eigentlich alles was vorher drin war.

Alles leer, oder auch "des Pudels Kern"
Jetzt geht es also ans eingemachte: Wie plaziere ich alle Teile in diesem Teil? Irgendwie sah vorher alles grösser aus. Zuerst musste also ein Platz für das Netzteil gefunden werden (es handelt sich hier um das Netzteil aus einem Fujitsu-Siemens Jetson-Gehäuse, relativ klein und schwach, dafür aber ohne jeglichen Lüfter). Da das Anschlusskabel für das Mainboard relativ kurz geraten ist und sich die Kabel nur an einer Stelle aus dem Netzteil führen lassen, war die Seite also schon vorgegeben.

Dort soll es rein - und nirgendwo anders
Also den Dremel rausgekramt (bzw. die Billigvariante davon) und fix einen hübschen Ausschnitt an die Rückseite geschnitten. Leider hat mir niemals jemand vorher gesagt, was das für einen üblen Dreck und Radau macht...

Der Ausschnitt für das Netzteil (leider nicht ganz perfekt)
Nun also der wichtigste Teil der Arbeit: Das Mainboard muss auch irgendwie rein, und dazu bedarf es eines Auschnittes an der Rückseite für die ganzen I/O-Anschlüsse. Leider fand ich im Internet nirgends eine nette Zeichnung oder eine technische Spezifikation für das Mini-ITX-Format, so dass ich hier also Pi mal Daumen vorgehen musste. Anschliessend noch die Blende mit ein wenig Heisskleber fixiert und fertig war der wesentliche Teil der Rückseite.

Das wird (und ist) der Ausschnitt für die Mainboard-Anschlüsse
Das Mainboard will auch irgendwie befestigt werden, also mussten in den Gehäuseboden noch vier hübsche Löcher gebohrt werden, die anschliessend mit einem Gewindeschneider behandelt wurden, so dass die normalen Abstandshalter auch ihren festen Sitz haben. Sicherheitshalber habe ich diese noch auf der Gehäuseunterseite (die sieht man ja eh' nicht) mit ein paar Muttern fixiert.

Die Abstandshalter für das Mainboard
Und da wir Sommer haben und ich eh' schon wieder zuwenig draussen war, belasse ich es für heute dabei - die ersten Schritte sind getan, jetzt gibt es kein zurück mehr.
Tag 2
Nur nicht aufgeben
Es regnet, wunderbar, eine perfekte Möglichkeit weiterzumachen und die ganze Angelegenheit einmal zu einem Ende zu bringen. Wenn denn ein Tag dafür reicht. Als erstes wird das Mainboard eingebaut, um zu sehen, ob überhaupt alles passt - sozusagen ein spannender Moment. Aber das Glück ist bekanntlich mit den Dummen...

Das Mainboard ist drin uns sitzt
Also dann die Festplatte eingebaut. Die Löcher sind schnell ausgemessen und noch habe ich ja massenhaft Platz im Gehäuse, also setze ich sie einfach an die Seite. Später wird dann overhalb der Festplatte die SAT-Karte liegen. Die Bohrlöcher angezeichnet und einmal wieder Dreck gemacht.

Durch diese dunkle Gasse soll sie kommen - oder so ähnlich
Alle wichtigen Dinge sind also schon fertig: Das Netzteil passt, ebenso das Mainboard und die Platte, und da ich ein ungeduldiger Mensch bin, muss ich das jetzt erstmal alles ausprobieren. Es gibt zwar eigentlich keinen Grund, warum die Teile nicht mehr laufen sollten, aber ich will endlich was sehen. Also schnell alles provisorisch eingebaut. Glücklicherweise war auf der verwendeten Festplatte noch eine Linux-Installation drauf, das erleichtert den ersten Start natürlich ungemein.

Sitzt, wackelt und bekommt immer noch Luft - und Linux bootet!
Nun geht es also an den mehr oder weniger endgültigen Einbau der Komponenten, wobei mit dem Netzteil noch ein kleines Problem zu lösen ist: Wie fixiere ich das überhaupt? Dadurch, dass ich das Netzteil quasi "auf dem Kopf stehend" einbauen musste (s.o.), sind natürlich die Lüftungsgitter auf der unteren Seite - und die wollte ich nur ungern verdecken. Als praktisch hat sich da erwiesen, das Netzteil einfach "freischwebend", also mit ca. einem Zentimeter Abstand vom Boden aufzuhängen. So bleibt genügend Platz für die Luftzirkulation. Dann nur noch ein Loch ins Netzteil (inkl. Gewinde, wie immer) und eine Lasche aus dem Gehäuse ausgeschnitten und schon ist es bombenfest montiert.

Der eigentliche Einbau, rechts sieht man gut die Fixierung des Netzteils
Die PCI-SAT-Karte passt auch noch rein, ich hatte erst Bedenken bzgl. der Bauhöhe der Festplatte und der Karte, aber die kommen sich nicht in die Quere. Nur für die rückwärtige Befestigung der Riser- und der PCI-Karte muss ich mir noch was schönes ausdenken. Momentan liegt sie mehr oder weniger lose rum und wird nur vom Mainboard gehalten - unschön, unschön...

Die wesentlichen Komponenten inkl. der SAT-Karte sind nun drin
Als letzte Tat für heute krame ich noch eine Weile in diversen Kisten und finde tatsächlich noch einen Taster und ein paar LEDs (alles inkl. Kabeln). Nach Studium des Handbuches ist auch klar wo die draufgesteckt werden müssen - gesagt, getan und an per Heisskleber von hinten an die Frontblende geklebt. Sieht doch schon ganz nett aus!

Und noch ein letztes Bild mit Frontblende
Was ist nun eigentlich noch zu tun? Irgendwie mehr als mir lieb ist: Die SAT-Karte muss noch ordentlich befestigt werden, eine LED für den Zugriff auf die Festplatte muss noch rein - ebenso wie das DVD-Laufwerk und ein nettes Display. Aber die letzten beiden spare ich mir noch eine Weile auf.
Tag 3
Und immer eines zuende bringen, bevor man was neues anfängt
So denn, es geht weiter. Als allererstes kümmere ich mich mal um den Videoausgang, die Lösung über S-VHS des Mainboards hat mich wenig befriedigt. Zum einen ist die Bildqualität mehr als bescheiden (ganz abgesehen davon, dass man auf dem Fernseher Windows nicht so richtig gut bedienen kann) - also habe ich mich an den Anschluss der SAT-Karte an eine Scart-Buchse gemacht. Eigentlich sieht es ja ganz einfach aus, aber wie immer liegt der Teufel im Detail.
Als erstes also die Anleitung auf DVBMagic.de studiert - um mich danach gleich ans löten zu machen. Das erste Problem: Ich habe keine Buchsenleiste mehr, die auf den zehnpoligen Jumper J2 passt, aber da kann man sich noch ganz gut mit einem alten IDE-Kabel behelfen, der Stecker ist dann zwar ein wenig gross, aber wen stört das schon. Zweites Problem: 47 Ohm. Woher nehmen und nicht stehlen? Die Lösung fand sich dann auf einem alten Platinenteil eines alten Kassettenrekorders - also den Widerstand aus- und die Kabel an die Buchse angelötet. Erster Test nach dem Einbau: Geht nicht. Dank der unermüdlichen Hilfe von Helmut war die Lösung doch einfach: Ein paar Leitungen müssen entgegen der Anleitung gekreuzt werden, da der Schaltplan dich auf einen Scart-Stecker bezieht. Jaja, hätte ich unser eigenes Forum gelesen, wäre ich nicht in diese Falle getappt...
Und siehe da, es funktioniert - oder frei nach der Signatur eines fleissigen Schreibers aus dem VDR-Portal: Kaum macht man es richtig, schon funktioniert es. Jedenfalls nachdem ich der SAT-Karte gesagt habe, sie solle doch bitteschön RGB ausgeben. Die Bildqualität ist erstklassig und noch um einiges besser als die meines "normalen" Galaxis-Receivers.
Hier sind noch ein paar Bilder von meinem Testaufbau im Wohnzimmer. Das TFT ist nur für Debug-Zwecke gedacht und kommt dann zum Schluss noch weg. Der schwarze Kasten ist mein alter SAT-Receiver.

Der Live-Test im Wohnzimmer
Der nächste Schritt dann morgen: Der IR-Empfänger....
Tag 4
Dann machen wir es mal heiss
Als ob es nicht heiss genug draussen wäre, ich musste ja unbedingt den Lötkolben zicken (so ein altes Teil, mit dem man normalerweise Rohre lötet) und den Scart-Anschluss und den IR-Empfänger löten. Beide kann man gut auf den unteren Bildern erkennen (ja, ich weiss, ich habe den Schrumpfschlauch verbrannt). Der Scart-Anschluss war prinzipiell ja schon fertig, aber ich habe mich dann doch entschlossen ihn nochmal neu zu löten, da der alte mehr oder weniger nur ein Test war - häufigere Kurzschlüsse waren die Folge. Inzwischen ist auch die zehnpolige Leiste gekommen, so dass ich den IDE-Anschluss wieder ausmisten konnte.
Bei der Gelegenheit habe ich dann auch die Abstandshalter des Mainboards erneuert (sind inzwischen geliefert worden) und habe die provisorischen entsorgt. Auf der Frontalansicht kann man gut erkennen, dass unter dem Mainboard noch genügend Platz für ein Slimline-DVD-ROM ist.

Links der selbstgelötete Scart-Anschluss (direkt an der SAT-Karte), rechts die Frontansicht
Der IR-Empfänger wurde nach einer Anleitung aus dem Netz (ein Widerstand, eine Diode und ein Kondensator) auf einer Lochrasterplatine aufgebaut, so kann ich das Teil dann sauber hinter die Frontblende kleben. Gleich noch eine grüne und eine rote LED dazugelötet (wer weiss wozu man die noch brauchen kann), und fertig ist das "Frontpanel".

Der IR-Empfänger, aufgelötet auf eine Lochrasterplatine, daneben zwei LEDs
Fertig. Fürs erste jedenfalls, das Display und das DVD-ROM spare ich mir jetzt erst einmal - viel wichtiger wird es, die geeignete Software zu finden bzw. zu schreiben, die alle Funktionen unter eine Haube bringt und fernbedienbar macht. Spannend wird auch noch die Temperaturentwicklung im geschlossenen Gehäuse (ich habe da noch so meine Zweifel), notfalls müssen ein paar Lüftungsschlitze und ein Lüfter rein.
Nachtrag: Nach ca. einer Stunde fernsehen bei ca. 32° Umgebungstemperatur hat sich der Rechner abgeschaltet. Ich habe ihn dann gleich neu gestartet und mit dem VIA-Eigenen Programm die CPU-Temperatur abgelesen: 82°, das ist natürlich ein wenig viel, also müssen entweder nur ein paar Lüftungsschlitze in den Gehäusedeckel, oder aber noch ein Lüfter rein - Schade, aber die DVB-Karte allein entwickelt schon eine enorme Hitze.
Eine kleine Bitte: Wenn Euch der Artikel bzw. Umbau gefällt, dann stimmt doch bitte beim Epiacenter (http://www.epiacenter.de/modules.php?name=Surveys&op=results&pollID=18) dafür ab!
Nachdruck nur mit Genehmigung des Autors. |